Kunst und Politik

„Kunst, Politik und Ökonomie“

Nutzen und Schaden großartiger Kunstevents

Darf ein Autor sich zu solch tagespolitischen Fragen innerhalb einer Kolumne zum Thema Kunst äußern? Nach reiflicher Abwägung bejahe ich dies. Ein Großteil der heutigen Kunst-produzenten ist Teil der Auseinandersetzung um gesellschaftspolitische Fragen. Die Politik sieht es deshalb besonders gern, wenn Künstler die politischen Ideale (und damit Wahlziele) der Parteien an den mündigen Wähler bringen. Nur leider gerät darüber das gesamte System künstlerischer Produktion so nach und nach in Unwucht und die Kunstschaffenden werden so zu parteipolitischen Erfüllungsgehilfen.

Es ist schick für Künstler sich mittels tagespolitischer Schlagworte,wie Migration, Integration, Gleichberechtigung für Frauen, Genderdiversifikation etc. mit Projekten, Produktionen oder konzeptionellen Ideen an die öffentlichen Geldgeber zu empfehlen. Die Entscheider über die Töpfe sind nämlich die Abgesandten der Parteien in den Landkreisen, Kommunen, Länderparlamenten und auch dem Bund. Diese sehen es nur allzu gern, wenn in der öffentlichen Diskussion ihre politischen Ziele laut und vernehmbar von Dritten (mittels Künstlern) eingefordert werden. Damit entsteht in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck, es seien die Probleme einer Mehrheitsgesellschaft. Mitnichten.

Nehmen wir ein Beispiel: Die Berufung von Hilke Wagner als Direktorin des weltberühmten Museum „Albertinum“ in Dresden 2014. Mit Schlagworten wie „das ganze Haus etwas szeniger machen“ oder „möchte Akzente gegen Fremdenfeindlichkeit ... und das Haus öffnen“ (Interview von Marcus Woeller, veröffentlicht am 11.04.2015 bei N24). Sie bedient die politischen Reflexe des Jahres 2015. Mittlerweile hat sich die streitbare Chefin auch auf die Beseitigung der letzten Spuren der DDR-Kunst im Museum versteift (vgl. Sächsische Zeitung vom 18.9.2017). Dass dieses Konzept nicht aufgeht, zeigt die Ent-wicklung der Besucherzahlen. Von ehemals einer Million Besuchern im Jahr sind rund 100.000 übrig geblieben. Dies ist ein klarer Beleg dafür, dass an den Interessen einer breiten Bevölkerung vorbeiintellektualisiert wird.

Das Publikum stimmt mit den Füßen ab und lässt sich nicht vereinnahmen.

Mittlerweile sind zahlreiche Institutionen zu Spielwiesen ihrer eigensinnigen Chefs geworden. Die Politik zieht sich auf die absurde These zurück „nicht in Inhalte einzugreifen und ordnungspolitische Rahmen für Kunst zu set-zen“. Dies tut sie eben nicht. Man bedient sich subtiler Instrumente. Ausschreibungen für Museumsposten, Berufungen in Lehrämter etc. werden nicht nach den Kriterien „Leistung und Erfahrung“ getätigt, sondern danach, ob der Bewerber zu den politischen Zielen der Entscheider passt. Die diesjährige documenta in Kassel ist ein treffendes Beispiel für diese fatalen Verknüpfungen. Trotz einem Budget von über 30 Mio. € kam es zu einem Defizit von mehreren Millionen Euro und einen unbelehrbarer Chef Adam Szymczyk. Im Detail: Rund 900.000 Besucher kamen nach Kassel - ein Rekord. Generell blieb ein schaler Geschmack beim Besucher und Steuerzahler zurück. Trotz des erheblichen finanziellen Aufwands blieben die Macher der Schau Ein-blicke in die generelle künstlerische Fortent-wicklung und Formensprache einfach schul-dig. Eine Vielzahl der gezeigten Werke wäre ohne öffentliches Geld gar nicht erst entstan-den. Die von den Machern und Künstlern eingeforderte Nachhaltigkeit lassen sie selbst vermissen. Mit dem Ende der documenta wird ein Großteil der Kunstwerke abgerissen oder verschrottet bzw. waren es eh nur kurzfristige Installationen. Im Vergleich von documenta 2017 mit der Ausstellung „Das MoMa in Berlin“ im Jahre 2004 wird es besonders deutlich. Es braucht keine exorbitanten Budgets für eine gute publikumswirksame Ausstellung. Mit publikumsfreundlichen und nicht abgehobenen Konzepten und Engagement der Macher ist viel erreichbar. 1,2 Mio. Besucher in 6 Monaten sind ausreichender Beleg.

Ob ein Kunstwerk der documenta für den privaten Käufer geeignet ist, mag der Autor nicht entscheiden.