"Sommernachlese"

„Sommernachlese“

Im Urlaub sitzt das Geld locker. Eine Erfahrung, die wir trotz aller guten Vorsätze regelmäßig machen. Deshalb sind in den Kurorten, Urlaubshochburgen und auch auf Kreuzfahrtschiffen unzählige Aktivitäten im Gang, um die spendablen Touristen zum Kauf von Kunst zu inspirieren. Je nach touristischer Destination hat die Kunstindustrie sich mit differenzierten Angeboten in Stellung gebracht. Das Instrumentarium reicht von Spezialauktionen mit ausgewählten Künstlern, Kunstmessen bis hin zu Sommerausstellungen der Galerien. Seit ca. 1900 waren die östlichen Küsten traditionelle Orte kleiner Künstlerkolonien. Die Künstlerkolonie Schwaan (bei Rostock), Ahrenshoop auf dem Darß oder auch die „Malfrauen“ von Hiddensee seien hier genannt. Für die westliche Küste sei die Künstlerkolonie Worpswede genannt. Rund um diese Künstlerorte entstand ein Milieu für regen geistigen Austausch und intellektuelle Anregung. Maler, Musiker, Tänzer, Dichter, Schauspieler und auch bedeutende Unternehmerpersönlichkeiten schätzten diese Orte in ihrer Verbindung von Geist und Erholung. Rügen, Fischland Darß und die Ostseeküste haben deshalb lange und kontinuierliche Tradition aus der heraus sich spezielle Angebote für den kunstaffinen Touristen entwickelten. Zunächst waren die künstlerischen Offerten überwiegend Selbstvermarktungsangebote der Produzenten. Die Touristen kauften bei den Malern vor Ort im Atelier oder über den Gartenzaun. Mit der Zeit entstanden vor Ort Galerien mit lokalen Angeboten oder die Künstler verkauften über befreundete Galeristen zumeist in Berlin, Hamburg oder München. Mittlerweile haben sich z.T. namhafte Auktionshäuser vor Ort in den Touristenzentren angesiedelt oder führen „vor-Ort-Auktionen“ in Hotels bzw. gemieteten Locations durch. Allen gemein ist die Orientierung auf die lokale Künstlerschaft, bzw. Künstlerpersönlichkeiten mit Sujets zu maritimen Themen, Landschaft und darüber hinaus.

Empfehlenswerte Auktionshäuser:

Ahrenshooper Kunstauktionen, Pommersche Kunstauktion, Auktionshaus Stahl, Galerie der Berliner Graphikpresse (Auktion im Museum Atelier Otto Niemeyer-Holstein).

Das Nebeneinander von kleinen eingeführten Produzentengalerien und auch hochprofessionelle Galeristen bilden einen spannungsvollen Kontrast. Gerade Schlechtwettertage laden hier zum Stöbern und Entdecken ein. Mitunter liegen dabei bedeutende Kunst und Kitsch erstaunlich eng beieinander.

Auswahl interessanter Galerien mit qualifiziertem Profil:

Galerie Maulberger – Sylt; Galerie Herold – Hamburg/Sylt; Galerie Born – Darß/Berlin ; Kunstscheune Barnsdorf – Wustrow/Darß;  Kunstkabinett Benz – Benz/Usedom ; Galerie Möller – Rostock/Warnemünde

Natürlich finden sich an den touristischen Hotspots auch die Ableger bekannter Galerieketten, wie Galerie Mensing, Walentowski Galerien oder andere. Leider gehen deren Angebote selten über ihre jeweiligen Standardware hinaus. Meist bunt, heiter und dekorativ sind es überwiegend serielle Arbeiten bekannter Künstler. James Rizzi , Janosch , Udo Lindenberg, Armin Müller-Stahl, Frank Zander und Helge Schneider sind zumeist im Angebot. Das Geschäft läuft gut und wurde über die klassischen Standortgalerien auch auf den Kreuzfahrttourismus ausgedehnt. So finden sich u.a. bei „Mein Schiff“ und „Aida“ schwimmende Galerien. Über die nachhaltige Wertstabilität der dort offerierten Kunstwerke wird die Zeit entscheiden.

Messen:

Der Sommer ist eher eine flaue Zeit für große Kunstmessen. Salzburg und St. Moritz stechen mit kleineren Messen hervor. Sylt-Besucher versucht die ART SYLT anzusprechen. Hier bleibt abzuwarten, ob sich der Termin langfristig etablieren kann.

Kunstmarkt

Seit vielen Jahren beobachtet der französische Datenbankanbieter Artprice den weltweiten Kunstmarkt und berechnet diverse Indices zur Einschätzung der Entwicklung einzelner Marktsegmente. Mit kleinen Unschärfen bei der exakten Erfassung aller marktrelevanten Preisdaten ergibt sich trotzdem ein aufschlussreiches Bild der Marktverfassung: Im Großen und Ganzen sind die letzten 30 Jahre von 4 Phasen der Marktentwicklung geprägt:

I. Dynamischen Entwicklung des Marktes von zwischen 1990 bis 2007

II. Rückschlag zur Zeit der Finanzkrise 2007-2008

III. Starke Markterholung bis 2013-2014,

IV. Seit ca. 4 Jahren Seitwärtsbewegung

Die Verlierer der letzten 3-4 Jahre waren überwiegend die Altmeister und das Segment der Zeichnungen. Eine Bodenbildung ist vorerst nicht zu erkennen. Der Enthusiasmus der Anleger für Fotografie hat sich gelegt. Die exorbitanten Zuwächse der letzten Dekade bei Fotokunst haben sich abgebaut. Die Klassische Moderne erwies sich weitgehend als wertstabil. Eine leichte Belebung verzeichnete die Kunst des 19. Jahrhunderts und die Nachkriegsmoderne .

Fazit: Wie schon einige Male angemerkt sind im gebeutelten Bereich der Alten Kunst selektive Käufe durchaus empfehlenswert.